Irene Nickel

Atomkraft – nein danke!

Atomkraft ist gefährlich.
Eigentlich viel zu gefährlich,
um sie zur Energiegewinnung zu nutzen. 1

So denke ich nicht erst seit gestern.
Schon im Jahre 1982 bin aus der SPD ausgetreten,
weil ich den Ausbau der Kernenergie,
den die SPD unter Bundeskanzler Helmut Schmidt nicht stoppen wollte,
nicht mittragen wollte.
Ich hielt es für unverantwortlich,
große Mengen von Atommüll zu produzieren,
ohne zu wissen, wo man den später sicher lagern könnte –
ja ohne zu wissen, ob es überhaupt Möglichkeiten gab,
diesen Müll sicher zu lagern.

Heute, drei Jahrzehnte später,
sind wir einer Vorstellung davon,
wie wir diesen Müll so sicher wie möglich lagern könnten,
kaum einen Schritt näher gekommen.
Ja, es hat sich gezeigt,
wie sehr es vielen der verantwortlichen Politikern
an der Bereitschaft gefehlt hat,
verantwortungsbewusst mit diesem Problem umzugehen.

 
Da hatte die Bundesregierung lange Zeit
auf Gorleben als künftigen Endlagerstandort
für hochradioaktive Abfälle gesetzt,
obwohl dieser Standort schon lange umstritten ist.
„SPD, Grüne, Linke und Umweltverbände dringen auf Alternativen,
weil der Standort wegen eines fehlenden durchgängigen Deckgebirges
und Gasvorkommen zu unsicher sei, um dauerhaft hochradioaktiven
Müll im Salz sicher zu verschließen und Radioaktivität abzuschirmen“,
heißt es in einer Meldung der Tagesschau vom 11.11.2011. 2

Jetzt sieht es – vielleicht – nach einen Schritt in die richtige Richtung aus.
„Bund und Länder für Neustart bei Endlagersuche“,
heißt es in derselben Meldung.
„Bund und Länder wollen bei der Suche nach einem Endlager
für hochradioaktiven Atommüll Alternativen zum Salzstock Gorleben prüfen. Das sagte Umweltminister Norbert Röttgen nach einem Treffen mit Vertretern der 16 Bundesländer. ...
Ziel sei es, bis zum Sommer 2012 ein Endlager-Suchgesetz zu formulieren.“

Die Frage bleibt:
Warum mussten besorgte Bürger so lange darauf warten?
Und eine Portion Skepsis
lässt sich nach vielen Erfahrungen nur schwer ausräumen:
Wird es wirklich, wie der Umweltminister ankündigte, „keine Tabus“ geben?

 
Und dann ist da noch das marode ehemalige Salzbergwerk Asse II,
in dem bereits seit 1978 rund 126.000 Fässer
mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll lagern.
„Die Behälter von damals sind wahrscheinlich heute
zum Teil korrodiert, zerfallen oder zerborsten“,
sagte Ursula Heinen-Esser,
Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. 3

„Weil das Bergwerk einzustürzen und voll Wasser zu laufen droht,
soll der Abfall geborgen werden.
Jeden Tag fließen an verschiedenen Stellen
rund 12.000 Liter Lauge in die Asse.
Ein kleiner Teil der Zuflüsse ist radioaktiv kontaminiert.
Für die Rückholung der Fässer rechnet das Bundesumweltministerium
mit einem Zeitraum von 30 bis 40 Jahren.
Die Standsicherheit des Grubengebäudes ist einem Gutachten zufolge
aber nur bis 2020 gewährleistet.“
So beschreibt eine Meldung der Tagesschau vom 12.3.2012 4
die dortige Lage.

Was es da wohl wert sein mag,
dass der Bundesumweltminister an diesem 12.3.2012,
bei seinem ersten Besuch im Atomlager Asse II,
gefordert hat,
„den dort gelagerten radioaktiven Müll
schnellstens aus dem ehemaligen Bergwerk zu entfernen“?

 
Was ist zu tun?

Zweierlei:
Erstens muss endlich Ernst gemacht werden
mit der Suche nach möglichst sicheren Endlagerungsmöglichkeiten.
Und zweitens muss auch den Gefahren,
die vom Betrieb von Atomkraftwerken ausgehen,
möglichst wirksam begegnet werden.

Zwei Forderungen, die das Wort „möglichst“ enthalten.
Ich fürchte, damit müssen wir uns begnügen.

Dass wir für all den Atommüll,
den wir inzwischen produziert haben,
wirklich sichere Endlagerstätten finden könnten
statt nur möglichst sichere,
das wage ich nicht zu hoffen.

Und was die Atomkraftwerke in Deutschland angeht,
so halte ich nicht viel davon,
wenn ihre „sofortige Abschaltung“ gefordert wird.
Wie dies in einer Online-Petition an den deutschen Bundestag
geschehen ist, für die sich 22601 Mitzeichner gefunden haben. 5

Daran stört mich nicht nur,
dass ich nicht die geringste Chance sehe,
eine solche Forderung durchzusetzen.
Es ist auch die Frage,
ob ein derartiges Vorpreschen Deutschlands
tatsächlich dem Ziel dienen würde,
die Gefahren der Atomkraft zu reduzieren.
Wenn sich herausstellen würde,
dass wir so schnell abgeschaltet hätten,
dass wir uns dadurch in Schwierigkeiten gebracht hätten,
dann wären unsere Nachbarn in Europa
wohl kaum geneigt, in uns ein Vorbild zu sehen.
Restlos lächerlich machen würden wir uns,
wenn wir unsere eigenen Atomkraftwerke abgeschaltet hätten
und anschließend Atomstrom von unseren Nachbarn importieren würden.

Ich gehe davon aus, dass wir keine bessere Wahl haben,
als einen allmählichen Ausstieg
aus der Nutzung von Atomkraftwerken zur Energiegewinnung.
Wobei wir mit dem Abschalten
am besten bei den gefährlichsten Kraftwerken beginnen.

Engagierte Bürger werden wohl noch viel zu tun haben,
damit wenigstens diese beiden Ziele
so gut wie möglich verwirklicht werden:
die Suche nach möglichst sicheren Endlagerungsmöglichkeiten
und ihre Realisierung,
und ein Ausstieg aus der Nutzung
von Atomkraftwerken zur Energiegewinnung
ohne unnötige Verzögerungen.

Braunschweig, den 13. März 2012

Irene Nickel
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Leserbrief zu
„25000 Menschen bildeten Lichterkette gegen Atomkraft“,
Braunschweiger Zeitung vom 12.3.2012,
veröffentlicht am 14.3.2012
(mit minimalen Änderungen – es folgt die veröffentlichte Version)

Mit der Lichterkette haben 25000 Menschen ein Zeichen gesetzt,
das anscheinend nötig war.

Einigen unserer Politiker kann man es nicht deutlich genug
vor Augen führen: Wenn sie nicht endlich anfangen,
verantwortungsvoller mit den Problemen der Atomkraft umzugehen,
dann ziehen sie sich immer mehr Misstrauen und Zorn der Bürger zu.
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1 Hier wende ich mich gegen die Nutzung von Atomreaktoren
zur Energiegewinnung, im Gegensatz beispielsweise
zur Nutzung von Atomreaktoren für die Herstellung
von radioaktiven Isotopen wie beispielsweise Technetium,
das in der Nuklearmedizin Verwendung findet, u. a. bei der Diagnose von Krebs.

Ich wende mich hier nicht gegen die Nutzung von Atomreaktoren
für medizinische Zwecke. Vor allem wegen
der Bedeutung
der Nuklearmedizin für kranke Menschen. Außerdem vermute ich,
dass die Menge der radioaktiven Substanzen, die bei dieser Nutzung entstehen, kaum ins Gewicht fallen dürfte neben all dem Atommüll
aus Reaktoren zur Energiegewinnung.
  

2 Quelle: Alternativen zu Gorleben werden geprüft Disclaimer
  

3 Quelle: ein am Montag, 13. Februar 2012,
erschienenes Interview mit der Wochenzeitung „Das Parlament“,
im Wortlaut wiedergegeben unter
Rückholung der Atommüllfässer geht „nicht so schnell“
Disclaimer
  

4 Quelle: Bundesumweltminister Röttgen in der Asse:
„Atommüll schnellstens raus hier“
Disclaimer
  

5 Petition: Nukleare Ver- und Entsorgung -
Sofortiger Ausstieg aus der Atomenergie vom 12.03.2011
Disclaimer
  

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URL: http://irenenickelpolitik.beepworld.de/atomkraft_nein_danke.htm


   

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