Leserbrief zu
„Spätabtreibungen. Mehr Beratung vor Schwangerschaftsabbruch“, Frankfurter Rundschau vom 18.12.2008,
veröffentlicht am 27.12.2008,
(im Wesentlichen vollständig, nur Kleinigkeiten wurden umformuliert)

Irene Nickel

Spätabtreibungen –
Frauen wissen selbst, wie viel Bedenkzeit sie brauchen

Spätabtreibung oder ein schwerbehindertes Kind? Mit dieser Frage gehen Frauen sicher nicht leichtfertig um. Wenn eine Frau drei Tage Bedenkzeit benötigt, dann wird sie sich diese Zeit gern nehmen. Da braucht der Gesetzgeber nicht mit Zwang nachzuhelfen. Unterstützung bieten kann der Gesetzgeber, indem er für gute Beratungsangebote sorgt – und vielleicht noch, indem er sicherstellt, dass jede Frau wenigstens drei Tage lang in Ruhe nachdenken kann, ohne befürchten zu müssen, dass dadurch irgendeine Frist ablaufen könnte und infolgedessen eine Abtreibung schwieriger oder unmöglich werden könnte.

Unnötig ist eine Zwangs-Bedenkzeit erst recht für Frauen, die diese Bedenkzeit gar nicht brauchen. Bevor sie die Diagnose erfahren haben, hatten viele Frauen reichlich Zeit, um Informationen über die häufigsten Behinderungen einzuholen und darüber nachzudenken, wie sie sich in bestimmten Fällen entscheiden würden. Einige haben sich sogar schon lange vor der Diagnose beraten lassen. Eine so frühe Beratung ist vor allem dann sinnvoll, wenn eine invasive Untersuchung, beispielsweise eine Untersuchung des Fruchtwassers, ins Auge gefasst wird. Denn wenn eine Frau zu dem Schluss kommt, dass sie die Schwangerschaft in jedem Fall fortsetzen will, dann wäre es widersinnig, wenn sie mit einer solchen Untersuchung das Risiko eingehen würde, dass die Schwangerschaft destabilisiert werden könnte, sodass es zu einer Fehlgeburt kommen könnte oder zu einer Gefährdung der Gesundheit des Kindes durch eine Frühgeburt.

Einige Frauen haben genug Bedenkzeit gehabt, bevor sie die Diagnose erfahren haben. Diesen Frauen eine weitere Bedenkzeit aufzuzwingen, das bedeutet, ihnen eine völlig unnötige seelische Belastung aufzubürden. Und das soll, wenn es nach gewissen Abgeordneten geht, Frauen angetan werden, die schon mehr als genug an seelischer Belastung auszuhalten haben! Die Aussicht auf eine Spätabtreibung ist für jede Frau eine schwere seelische Belastung – auch dann, wenn sie sich sicher ist, dass die Alternative noch belastender wäre.

Eine Möglichkeit zur Verhinderung von Spätabtreibungen bleibt bislang leider ungenutzt: Präimplantationsdiagnostik ist in Deutschland noch immer verboten. Ohne Rücksicht auf Paare, die anderenfalls mit jeder Schwangerschaft ein erhebliches Risiko eingehen müssen, sich nur noch durch eine Spätabtreibung vor der Geburt eines schwerbehinderten Kindes schützen zu können. Aufgrund dieser Gesetzeslage kommt es immer wieder zu vermeidbaren Spätabtreibungen. Weil es Frauen gibt, die nicht das nötige Geld für eine Präimplantationsdiagnostik im Ausland haben, oder die zu unbeholfen sind, um so etwas zu organisieren. Ein absurder Zustand! Es ist Zeit, das endlich zu ändern. Es ist Zeit, dafür zu sorgen, dass Präimplantationsdiagnostik auch in Deutschland für Paare mit hohem Risiko angeboten werden kann.

 
Nach dem Beschluss des Bundestages,
eine Zwangs-Bedenkzeit von 3 Tagen einzuführen,
gerechnet von dem Zeitpunkt an, zu dem die Frau die Diagnose erfährt:

Kommentar zu
"Der alte Kampf – neu ausgetragen",
Frankfurter Rundschau vom 13.5.2009

Irene Nickel

Frauen brauchen keine Bevormundung

Frauen wissen selbst am besten, wie viel Bedenkzeit sie brauchen. Eine Zwangs-Bedenkzeit ist überflüssig und vergrößert nur
die seelische Belastung.

Erst recht ist nicht einzusehen, warum diese Frist erst zu laufen beginnen soll, wenn die Frau die Diagnose erfährt. Frauen können sich 
auch vorher schon Gedanken machen und Rat einholen.
Vernünftige Frauen werden das spätestens dann tun,
wenn ihr Arzt ihnen zu einer Fruchtwasseruntersuchung rät.

Wenn eine Frau schon vor der Diagnose zur Beratung geht, dann kann sie die Zeit bis zur Diagnose nutzen, um sich Gedanken zu machen.
Wenn schon eine Bedenkzeit vorgeschrieben wird, weil einige Politikerinnen es nicht anders wollen, dann könnte wenigstens die Zeit zwischen Beratung und Diagnose auf diese Bedenkzeit angerechnet werden.

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