Leserbrief zu
„Papst betet für Frieden in Nahost“, Süddeutsche Zeitung vom 27.12.2000

Irene Nickel

Schiedsrichter über Leben oder Tod? –
Der Papst und die aktive Sterbehilfe

„Immer stärker wird die Versuchung, sich zum Herrn über den Tod aufzuspielen und ihn vorzeitig herbeizuführen, so als sei man Schiedsrichter über das eigene Leben oder das Leben anderer“ – so ereiferte sich Papst Johannes Paul II. gegen die aktive Sterbe­hilfe. Er sollte lieber vor seiner eigenen Tür kehren.

Indem er sich wirksamen Maßnahmen zur AIDS-Prophylaxe in den Weg stellt, leistet er selbst aktive Sterbehilfe an jungen gesunden Menschen, die leben wollen.

Wenn aber schwerkranke Menschen unter unerträglichen Schmerzen leiden und sterben wollen, dann fordert dieser Papst, ihnen die aktive Sterbehilfe zu verweigern.

Massiv will sich Papst Johannes Paul II. in Entscheidungen über Leben und Tod anderer Menschen einmischen. Merkt er nicht, wie er sich zum „Schiedsrichter über das Leben anderer Menschen“ aufwirft? Merkt er nicht, wie viel anmaßender das ist, als über das eigene Leben selbst zu entscheiden?

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Leserbrief zur Frankfurter Rundschau vom 27.12.2000, 
„Papst sieht alarmierende Symptome einer ‚Kultur des Todes’“
veröffentlicht am 9.1.2001 (vollständig)

Irene Nickel

Wer ist der legitime Herr über Leben oder Tod?

Mit scharfen Worten wandte sich Papst Johannes Paul II. gegen die aktive Sterbehilfe, wie sie in den Niederlanden vorgesehen ist; er sprach von einer „Kultur des Todes“. Dieser Papst sollte sich lieber um die Kultur des Todes kümmern, für die er selbst verantwortlich ist. Denn er leistet aktive Sterbehilfe an jungen gesunden Menschen, indem er sich wirksamen Maßnahmen zur AIDS-Prophylaxe in den Weg stellt.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, verurteilte ebenfalls die aktive Sterbehilfe und rief zum besonderen Schutz der Menschenwürde auf. Nur – wie schützt man die Würde schwerkranker Menschen, die sterben wollen, weil sie unter unerträglichen Schmerzen leiden? Wenn es nach dem Bischof geht, dann wird aktive Sterbehilfe verweigert und damit dafür gesorgt, dass die Hilflosesten unter den Schwerkranken, die ihr Ende nicht mehr selbst herbeiführen können, ein Leben weiterleben müssen, das für sie jeden Sinn verloren hat. Was hat ein derart aufgezwungenes Leben mit Menschenwürde zu tun?

Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich warnte, Gott allein sei Herr über Leben und Tod. Das verdient Widerspruch. Es gibt nur einen legitimen Herrn über Leben und Tod eines Menschen: den lebenden Menschen selbst.

Zwar steht es Bischof Friedrich frei, die Herrschaft über sein Leben und seinen Tod an seinen Gott abzutreten. Aber er kann nicht verlangen, dass andere Menschen das Gleiche tun. Es ist das gute Recht anderer Menschen, seinen Gott für ein Produkt menschlicher Phantasie zu halten, dem keinerlei Autorität zukommt. Wir dürfen es uns verbitten, wenn jemand wie Bischof Friedrich versucht, seine Religion – die seine Privatsache ist – zum Instrument zu machen, um anderen Menschen seine persönlichen Vorstellungen zum Umgang mit Leben und Tod aufzuzwingen.

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